Lustiges und Kurzweiliges...

Für alle, die auch analoge Unterhaltung schätzen...

Moderator: Bulletrider

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Bulletrider
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Lustiges und Kurzweiliges...

Beitrag von Bulletrider »

(@Nemesis. Kannst das aber auch verschieben, wenn es Dir irgendwo anders besser passt)

Ist zwar nicht immer mein Geschmack, aber ab und zu muss auch mal ein lustiges, kurzweiliges Buch her. Etwas was "nicht schwer im magen liegt" und locker flockig weggelesen werden kann. Hier mal ein zwei Empfehlungen.

Im Gegensatz zu vielen irgendwie auf "poppig/hip" getrimmten Möchtegern-Lustig-Büchern, sind die folgenden beiden bücher erfrischend anders. Es wirkt nicht so glatt gebügelt, ist um einiges skurriler aber seltsamerweise dennoch glaubwürdiger als so mancher Roman aus der "Ich bin ein total witziger Mittzwanziger und schreibe mal ein lustiges deutsches Buch" Ecke.
Dazu gesellt sich auch ein angenehmer beigeschmack in Form von wirklich amüsanten und zutreffendem ruhrpott Charme. Wären die beiden Schauspieler Ralf Richter und Oliver Kohrittke altertechnisch näher beisammen - das würde teilweise schon ganz gut passen...

Und was das für einige von euch vielleicht noch interessanter machen könnte:

Die PS1 spielt eine große und tragende Rolle und zieht sich sozusagen als gemeionsamer nenner durch beide Bücher, wobei der Autor durch Hintergrundwissen punkten kann :wink: :mrgreen:

Oliver Uschmann "Hartmut und Ich"

„Hartmut und ich“ dreht sich um den Erzähler und seinen Freund Hartmut, mit dem er die Wohnung teilt. Um ihr Zusammenleben, um die gemeinsamen Erlebnisse, das gegeneinander und miteinander Ausgesetzt-Sein. Aus einem komischen, manchmal satirischen Blickwinkel darf man an dem erfindungsreichen Alltag zwischen Playstation, Langeweile, Eigenbrödlerei, Gegenkultur und Trash-Dokumentarfilm-Abhängigkeit teilhaben.

"„Hartmut und ich“ ist weder vulgäre Männer-Comedy noch „typische“ Popliteratur. Eher ein Buch über Freundschaft, gesunde Hysterie und den Wahnsinn, den es erfordert, sich im Geflecht der Gegenwart zurecht zu finden. Musik, Politik und Playstation, Feng Shui, Punk-Krawall und Pommes Spezial, Frauen, Männer und Katzen – hier geht alles. Da kappt Hartmut in der Nachbarschaft den Strom, um die Menschen durch Not zu vereinen, verhüllt als umgekehrter Christo das Haus in Schwarz aus Protest gegen den Lichterkettenterror zum Advent oder kommentiert mit Freund Jochen eine Demonstration in Dortmund aus der sicheren Distanz eines Balkons – nur um schließlich Aktivisten UND Polizei in die Wohnung zu lassen." (44seven.de)

Leseprobe: http://www.fischerverlage.de/sixcms/med ... 6615-2.pdf

Oliver Uschmann "Voll beschäftigt - Ein Hartmut und Ich Roman"

"Hartmut hat wieder eine Idee. Damit all die arbeitslosen Akademiker wieder ihre Miete zahlen können, gründet er ein Institut zur Dequalifikation von überqualifizierten Akademikern / Studenten, um deren Jobchancen zu erhöhen. Zusammen mit seiner Freundin und seinem Mitbewohner macht er Skandinavisten zu IKEA Arbeitern, Byzantinisten zu Spargelstechern, Adorno-Experten zu Lokalredakteuren und Altphilologen zu UPS-Packern. Ganzheitlich. Bis sich der Ich-Erzähler in eine Malerin verliebt, die keinesfalls Anstreicherin werden will..." (fsr.de)

Lohnt sich! Und wie gesagt - es ist kein "Holzhammer-Humor", der einen hier zum lachen bringt. Vielmehr sind es die absolut passenden, teilweise natürlich überspitzt dargestellten, Beobachtungen und Begebenheiten, die einem mal ein Schmunzeln bringen und mal ein urplötzliches Losprusten verursachen.

edit: Noch fix dabei gepackt..:

Heinz Strunck "Fleisch ist mein Gemüse":

Böse, satirisch, tragisch-komisch.... hier eine treffende Inhaltangabe:

„Fleisch ist mein Gemüse“ ist die tragisch-komische Autobiografie von Heinz Strunk, geboren und aufgewachsen auf der anderen Seite der Elbe, in Hamburg Harburg. Heinz durchleidet seine Jugend gepeinigt von Acne Conglobata: „Pusteln mit oder ohne Eiterhaube, Mitesser und tief in der Haut verankerte Flechten“ ... and misery loves company – Er schließt sich der wenig begabten Tanzband „Tiffanys“ an. Leider tendiert die sexuelle Ausstrahlung einer mittelmäßigen Tanzband gegen Null. Der Mythos Rock’n’Roll findet woanders statt.

Drangsaliert von Psychosen, sexueller Frustration und Alkoholproblemen, verbringt Heinzer sein Leben in vergilbten Spielhallen oder auf Hochzeiten, Faschingsveranstaltungen und Schützenfesten (Spiel ma was von Moooaaariuus – die Geheimwaffe gegen tanzunlustige Bauerntölpel) und muss dabei das schrittweise Ableben seiner Mutter beobachten.

„Fleisch ist mein Gemüse“ enthält die intimen Gedankengänge und die seelischen Abgründe eines Menschen, der, vom Leben geohrfeigt, zu lethargisch ist, um die andere Wange rechtzeitig wegzuziehen. Dies sollte jedem Menschen, der das Jammertal des Teenagerdaseins nur halbwegs durchquert hat, bestens bekannt sein. Böse Mädchen kommen überall hin, glückliche Jungs werden Bankkaufmann, und von der Jugend gezeichnete Menschen entwickeln eine Form von Ironie und Sensibilität, über die sich vortrefflich schreiben lässt. " (textem.de)
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Beitrag von Ken-sent-me »

Heinz Strunck "Fleisch ist mein Gemüse":
oh ja, das is der von Studio Braun.
...da kenn ich das hörbuch von.
nemesis

Beitrag von nemesis »

Oliver Uschmann ist doch ein "Visions"-Redakteur. Der schreibt Bücher? :shock:
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Beitrag von Bulletrider »

Jahaa, und was für welche! :-)
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Beitrag von Bulletrider »

Richtig gute Audioclips zum neuen Uschmann namens "Wandelgermanen" (mit PS1 Referenzen ;-) ):

http://www.hartmut-und-ich.de/film1/wandel.html

oder hier:

http://media.t-online.de/leben/F/wm/leb ... 104295.asx

http://media.t-online.de/leben/F/wm/leb ... 104296.asx

(Musik von Tenhi)

SUPER!
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Beitrag von Bulletrider »

edit: passte besser in "Skurriles"... :wink:
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Beitrag von Bulletrider »

Nette Klolektüre:

"Hier liegen meine Gebeine, ich wollt' es wären Deine" von Enno Hansing

Gesammelte Grabinschriften, mal besinnlich, mal traurig - hauptsächlich aber eher schwarzhumoriger, "böser" Natur. Mal durch kleine Grammatik- oder Satzzeichenfehler, oftmals aber durchaus bedacht.

Weit mehr als 300 Nachrufe der ungewöhnlichen Art sind nun in seinem Buch zusammengefaßt.
Hansing gefällt an den alten Inschriften, daß sie dem Verstorbenen die lebenslang getragene Maske abreißen, was heutzutage durch die Friedhofsordnung verhindert wird.

"Wahrheiten, Hinweise auf Fehler und Schwächen, die keinem Lebenden gesagt, sondern allenfalls über Lebende getuschelt werden.« Wohl wahr, ein Kompendium von echten Inschriften über zänkische Frauen, versoffene Männer, ungehobelte Klötze, gefräßige Fettwänste, »Spitzbuben« und andere »Sündenlümmel«" (headers.de)

Auf mehr als 100 Seiten kann nun jeder nachlesen, wie manch schonungsloser Blick auf Fehler und Schwächen der Toten früher aussah.

Und zum Beispiel auch, wie kurz und knapp sich ein Unglücksfall zusammenfassen läßt:

"Hier fiel der Jacob Finkenscheid vom Hausdach in die Ewigkeit."

weitere Beispiele:

"Ihr Mund schuf stets Beschwerde
jetzt ist er ihr gestopft - mit Erde"

"Hier ruht der liebe Arzt, Herr Frumm
Und die er heilte rings herum."

"Hier liegt begraben mein Weib, Gott sei Dank.
Sie hat ewig mit mir gezankt.
Drum, lieber Leser, geh von hier,
sonst steht sie auf und zankt mit dir."

"In diesem Grab liegt Anich Peter
Die Frau begrub man hier erst später.
Man hat sie neben ihm begraben,
wird er die ew'ge Ruh nun haben?"

"Hier liegt ein Epigrammenschreiber,
Der über Ärzt' und Weiber
Im Leben immer losgezogen,
Sie rächen sich an ihm darum:
Sein Weib hat ihn betrogen,
Sein Doktor bracht' ihn um"

:twisted: :wink:
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